4813 Altmünster am Traunsee / Österreich
Maria Theresia Straße 3a

Betreiber: Traunsee Velozipedisten eV.
Telefon :  +43 (0)650/4748665 oder +43 (0)664/1521264
E-Mail:     office@radmuseum.at

Besuchen Sie uns auf Facebook unter Oldtimermuseum Altmünster

 

 

SEINERZEITIGES: Wohn- und Reiseaccessoires aus der Kaiserzeit

Walter Neumayer ist das typische Beispiel dafür, was passieren kann, wenn Sammelwut ausufert. Nachdem er schon in jungen Jahren alte Motorräder der Marke BMW sammelte, baute er die heimatliche Garage zu einem Privatmuseum um. Als das dann leidlich gut gefüllt war, entdeckte er sein Interesse für Uralt-Waffenräder. Das ließ die Garage schnell bersten, denn Fahrräder sind günstiger zu erstehen und einfacher zu restaurieren als Motorräder, was den Bestand natürlich rascher wachsen lässt.


Das führte zur Entstehung eines echten, dem Publikum zugänglichen Museums, welches er zusammen mit dem Autor dieser Zeilen im Jahr 1995 gründete, und das sichbis heute von Jahr zu Jahr regeren Zulaufs erfreut. Eh klar, dass auch hier die Fülle der inzwischen neu hinzu gekommenen Exponate den Raum zu sprengen drohen, weshalb jeden Winter dran- bzw. umgebaut werden muss. Und, wie es bei Sammlern so ist, kommen immer neue Ziele; Themen und Objekte für die Sammelwut hinzu.

Deshalb wollen wir uns diesmal auch nicht die Fahr- oder Motorräder ansehen, auch Kinderfahrzeuge, Werbeplakate, Lampen, Glocken, alte Kleider oder Pokale sind unser Thema (man sieht schon, hier schlummert noch viel Stoff für weitere Berichte zum Thema Sammeln), sondern es geht um etwas, das eigentlich nur einen peripheren Bezug zur Fahrradhistorie hat, um Exponate, die Walter eher zufällig bei seinen vielen Besuchen bei Antiquitätenhandlern in die Hände gefallen sind.

Wenn jemand von „SEINERZEIT“ spricht, dann meint er meistens die für ihn nostalgisch verbrämte Vergangenheit, in der alles besser und schöner war. Wir schnüffeln diesmal im Wohnzimmer einer aus besseern Kreisen stammenden Familie aus einer früheren Epoche, denn Haushaltsartikel und – Maschinen zwischen 1880 und 1920 sind unser heutiges Thema, Gegenstände und Geräte, die teilweise damals alltäglich waren, aber auch Luxussachen, die sich die meisten nicht leisten konnten, sowie Reiseaccessoires, die wieder den Bezug zum eigentlichen Bestand des Museums herstellen. Aber sehen sie selbst:

Heutzutage (das oft negative klingende Gegenstück zu "Seinerzeit") gibt es kaum mehr einen Haushalt ohne PC, häufig hat sogar jeder Mitarbeiter seine eigenen Workstation, und dann kommt noch ein Laptop hinzu.Seinerzeit durfte man nicht einmal voraussetzen, dass jedermann des Leses und Schreibens kundig war. Wollte jemand einen Brief verfassen, so suchte er einen professionellen Schreiber auf, der das für ihn tat. Daher sind heute Schreibmaschinen aus dieser Epoche nicht häufg aufzufinden und stammen meist aus Büros.

Noch unüblicher war es, ein Telefon zu besitzen, mit wem hätte man den auch schon telefonieren sollen? Wir ersparen uns, auf die heutige Handynotwändigkeit schon bei JugendlIchen einzugehen und merken lieber an, dass es sich bei obigem Gerät mit im Hörer integrierte Wählscheibe um kein Schnurlostelefon handelt, bloß weil das Kabel fehlt!

Die Industrie entwickelte sich Mitte des 19ten Jahrhunderts im Eilzugstempo (obwohl es den damals noch gar nicht gab). In den Gewerbezentren wie zB. in Wien und in Graz entstand Fabrik neben Fabrik, oft machten die sich gegenseitig heftigste Konkurrenz. So suchten die Produktentwickler nach immer neuen Innovationen, die man den kaufkräftigen und vor allem kaufwilligen, sogenannten Neureichen, anbieten konnte.

Dabei entstanden oft Produkte, von denen man bis dahin gar nicht gewusst hatte, dass man sie jemals brauchen würde, so wie bei dem Petroleumöfchen unten, an dem sich die Hausfrau ihre in Filzpantöffelchen steckenden zierlichen Füßchen wärmen konnte. Eine Skurrilität für unsereiner, die wir Fußbodenheizungen ja schon als Standard ansehen!

Zum selben Thema passen die beheizbaren Schuhstrecker, die aus einer ein bißchen moderneren Zeit stammen, als Elektrizität schon zum Alltag gehörte. Die Strecker einfach mittels Kabel an der Steckdose anhängen, und wenn man dann die Schuhe benutzen will, muss man sich nicht ärgern, weil man seine vom Petroleumöfchen so schön vorgewärmten Füsse in die kalten Lederlatschen stecken muss!

Vom Thema Füsse zu schlechter Luft ist es oft nicht weit. Dazu passen die zwei Geräte auf dem Foto unten rechts. Ihre Arbeitsweise ist zwar heute nicht mehr ganz nachvollziehbar, jedenfalls dienen sie zur Luftreinigung- und Befeuchtung und stammen aus der Zeit um 1900.

 

Nun zu einem etwas geschmackvollerem Thema. Die rote Kugel mit Halterung im Jugendstildesign dient zur Aufbewahrung von Patisseriestücken, sprich Zuckerln und Süßigkeiten. Es handelt sich dabei zwar um kein technisches Gerät in dem Sinne, aber sie passt ganz gut zu den Kaffee- und Espressomaschinen, die mittels Spiritus- und Petroleumbrenner geheizt wurden. Interessant auf dem Foto rechts der Verteilerarm - mit drei Freundinnen gleichzeitig konnte sich die Hausfrau um die Jahrhundertwende (wir sprechen natürlich von 1900) auf ein Tratscherl zusammensetzen, ohne ständig davonlaufen zu müssen.

 

Zu diesem Tema passen auch das Bowleservice mit dem Lorbeergekrönten Radfahrer auf dem Deckel, ebenfalls im Jugendstildesign, und das Silberbesteckset in der samtbezogenen Schachtel. Teures Silberbesteck wird meist gar nicht oder nur zu sehr speziellen Anlässen verwendet. Lieber wurde es aufbewahrt, um es seiner Tochter bei ihrer Hochzeit als Mitgift zu präsentieren, oder um es bei seinem Ableben lieben Hinterbliebenen weiter zu vererben. Das ist bis in die heutige Zeit so Brauch geblieben.

Damit verlassen wir das Wohnzimmer unserer fiktiven K & K Familie und begeben uns mit ihnen auf einen Ausflug. Keine Reise, sondern nur einen Ausflug in die nähere Umgebung. Der kann mit dem Fahr- oder Motorrad, dem Automobil oder auch mit dem Pferd oder in einer Kutsche erfolgen. Weil der meist mit einem Diner im Freien verbunden ist, haben wir auch dafür Vorbereitungen getroffen und einen Picknickkorb gepackt:

 

Picknickkörbe für Automobile fallen meist größer aus und werden meist hinten auf der für Gepäck ausklappbaren Fläche mittels Gurten festgezurrt. im Auto haben ja auch mehr Leute Platz als beispielsweise auf einem Pferd oder Fahrrad, deshalb muss da auch naturgemäß mehr drin sein. wir schauen uns aber das Accessoire für letztgenanntes an. Es ist alles ordentlich im Korb verstaut, jedes Teil hat seinen Platz und ist auch mit Befestigungsriemen so gesichert, dass zB. die filigranen Porzellantassen nicht zu Bruch gehen können. Zu einem stilechten picknick gehört natürlich auch der passende englische Tee. Teesieb und natürlich der Spirituskocher sind mit im Korb verpackt. Für den, der es etwas "hochoktaniger" mag, hat auch ein Flachmann sein Platzerl. Salz und Pfeffer werden hingegen in einem eigenen Behälter transportiert, der auch eine Tasse aus noblem Silber enthält. Wir wollen ja keine Salzkrümmel in unserm Picknickkorb herumfliegen haben.

Auf den Fotos unten sehen wir schon einen moderneren Reise-Spiritusgaskocher, der ausschlich für Automobilisten gedacht ist und aus den 20er Jahren stammt. Beim Aufklappen der Blechbox zeigt sich der Inhalt: ein Brenner mit verstellbarer Flamme, sowie ein Spiritustank. alles da, lediglich das Sturmfeuerzeug muss der Autler separat mit dabei haben.

Reine Luxusartikel sind zB. die Plattenkamera mit dem massiven Dreibeinstativ aus Holz, so was hatten eigentlich nur Profifotografen oder sehr betuchte und ambitionierte Amateure. "Otto Normalverbraucher" musste sich mit einer lichtschwachen, mit einem Rollfilm beladenen Reisekamera mit ausziehbarem Balg begnügen, die natürlich qualitativ nicht sehr hochwertige. meist etwas unscharfe und verwackelte Fotos lieferte. Besonders bei bewegten Objekten, wie zB. seinen Reisegefährten bim tanzen zu alten Schelllackplatten, die man auf dem mitgeführten Reisegrammophon abspielen konnte, dessen Trichter in das Gehäuse integriert war.

Geriet ob solcher Belustigung die Frisur in Unordnung, so hatte man alles Notwendige zur Reparatur dabei, bis hin zur Brennschere zum Kräsueln langer Haare. Die wurde mit einem zum Set gehörenden Spirituskocher vorgeheizt - man musste schon großes Vertrauen zu dem Bader haben, in dessen Hände man sich für diese Prozedur begab!

War sich die Dame von Welt nicht ganz sicher, ob sie mit ihrer Ausstattung modisch "in" war (auch ein Begriff, den es damals noch nicht gab, etwas war "chic" oder"opportun)", dann schaute sie im häuslichen Ratgeber nach: von Kleidungsfragen über technische Haushaltsneuerungen bis zu Hilfestellungen bei Krankheiten samt Arzneimitteltipps stand dort alles, was es zu wissen gab!

zurück zu "Im Visier"