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In der letzten Ausgabe der „Salzi-Spezial“ hatten wir nostalgische Zeitungsinserate aus dem Jahr 1918 zum Thema. Darunter befanden sich einige Beispiele, die mit kessen Sprüchen den Handfeuerlöscher „Minimax“ bewarben (siehe unten). Der Zufall wollte es, dass uns einige Tage nach Onlinestellung tatsächlich einige Handfeuerlöscher dieser und anderer Marken in die Hand fielen. Grund genug, sie etwas näher zu betrachten.

Zuerst aber einige geschichtliche Fakten zum Hersteller: die Firma Minimax Gmbh & Co Kg ist heute der weltweit führende Hersteller von Feuerlöschern und Feuerlöschanlagen undbetreibt am Firmensitz im deutschen Bad Oldesloe sogar ein Brandschutzunternehmen. Gegründet wurde die Firma im Jahr 1902 von Wilhelm Graaff, damals noch mit Sitz in Berlin. Graaff hatte ein Handfeuerlöschgerät erfunden und zum Patent angemeldet, das er wegen seiner Form „Spitztüte“ nannte. Der feuerrote Kegel hatte an der Längsseite einen Handgriff und am stumpfen Ende einen Auslöser aus Metall.

Wenn man diesen Auslöser mit Schwung auf den Boden knallte, entstand im mit Wasser gefüllten Inneren des Gehäuses ein Überdruck, der sich durch eine Öffnung an der Kegelspitze mit einem kräftigen Strahl entlud. Denkbar einfach zu handhaben, darauf bezieht sich ja auch einer der Werbeslogans: „ob Mann, Frau, Kind oder Greis, jedes Minimax zu bedienen weiß“. Grammatikalisch etwas holprig, aber inhaltlich verständlich. Allerdings hatte der Volksmund auch andere, weniger werbewirksame Slogans parat, wie zB. diesen: „hast du Minimax im Keller, brennt‘s am Boden umso schneller“ …

Der Name „Minimax“ wurde mittels eines Preisausschreibens gefunden, das Graaff unter seinen Mitarbeitern auslobte. „Ein Minimum an Gewicht, Preis und Aufwand – ein Maximum an Einfachheit und Leistungsfähigkeit“, abgekürzt Minimax! Nicht nur der Name, auch das Produkt setzte sich durch: 1905 konnten 65.000 Einheiten verkauft werden, 1906 war das Unternehmen weltweiter Marktleader dieser Sparta!

Was uns auffällt, wenn wir so eine S(p)ritztüte in die Hand nehmen? Sie ist auf jeden Fall wesentlich größer, als es die Abbildungen suggerieren. Gleiches trifft auf das Gewicht zu, selbst leer bringt sie einige Kilos auf die Waage. Dass ein Kleinkind, so wie im Inserat, tatsächlich den Minimax einhändig auf den Boden haut und mit einem gezielten Strahl den angezündelten Brand löscht, bevor das Kindermädchen was merkt, muss wohl angezweifelt werden. Wir haben auch keinen Testversuch unternommen, immerhin sind die Dinger, die wir in Händen hielten, gut 90 Jahre alt und somit antiquarisch wertvoll.

Leichter tut sich „Kind“ wohl ohnehin mit einem anderen Löschgerät, das wir bei gleicher Gelegenheit vor die Linse bekamen, das aber nicht von Minimax hergestellt wurde: den S.O.S. Trockenfeuerlöscher der Kosmo Chemie Gesmbh., ebefalls aus Berlin. In einer zylindrischen Metallröhre befindet sich ein Löschpulver, man öffnet mittels eines Rings den Deckel (wie bei einer Konservendose) und schüttet das darin enthaltene Löschpulver auf den Brand. Einfach, aber (hoffentlich) wirkungsvoll, und noch dazu günstig. Man musste das Produkt nur einmal kaufen, der Inhalt wurde nämlich gratis nachgefüllt, wie auf den leider nur mehr bruchstückhaft erhaltenen Transfers zu lesen steht!

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