4813 Altmünster am Traunsee / Österreich
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Ein paar Treppen nur, aber sie führen in eine ganz andere Zeit. Ein gutes Jahrhundert zurück, in die Zeit der beginnenden Technisierung, wo der Mensch eben begann, sich die Arbeit seiner Hände leichter zu machen.

Im oberen Stock des Zweiradmuseums in Altmünster hat Walter Neumayer einen Marktplatz wie anno dazumal aufgebaut. Vor der eleganten Fassade einer Fahrradhandlung warten einige chromblitzende, scheinbat noch nie benutzte Waffenräder auf interessierte, betuchte Kunden (denn betucht musste man sein damals, um sich so einen Nobeldrahtsesel leisten zu können. Die alten, stark gebrauchten findet man in der Ecke gegenüber, in einer komplett eingerichteten Fahrradwerkstatt aus Uropas Ära werden sie wieder auf Vordermann gebracht.

Und was es alles zu sehen gibt in diesem scheinbaren Durcheinander, wo aber doch jedes Gerät seinen logischen Platz hat: im Vordergrund dominiert eine fußbetrieben Drehbank, eine sogenannte „Schlapfendrehbank“ das Geschehen. Sie steht im Freien. Dahinter, gleich unterm Vordach, aber noch außerhalb der eigentlichen Werkstatt, fällt eine von einem uralten Elektromotor gespeiste Transmission auf, die ihrerseits andere Maschinen antreibt. Daneben eine Ständerbohrmaschine, eine Fräsmaschine, und vieles auf den ersten Blick skurriles Gerät mehr, manches davon noch mit einer Handkurbel in Betrieb zu bringen. Skurril schaut auch das aufrecht stehende Fass aus, an dem unten drei Hähne befestigt sind. Kein Bier kann man allerdings hier zapfen, sondern Petroleum, allerfeinstes amerikanisches Petroleum, wie auf dem Fass zu lesen steht.

In der kleinen Werkstatt selbst blickt man sich zuerst nach dem fleißigen Mechaniker um, der augenfällig hier eben noch zu Werke war. Ein uralter, in einem Käfig gefangener Ventilator spendet etwas Kühle, die alten Birnenleuchten machen seine Bemühungen zunichte. Im Speichenzentriergerät ist ein Fahrrad-Vorderrad eingespannt, ihm soll hier die Unwucht ausgetrieben werden. Die Straßen damals waren holprig genug, da soll wenigstens das Rad rund laufen. Altes Werkzeug, wohin man schaut. Manches schon etwas angerostet, anderes ölig, aber alles liegt zur Hand. Die Ersatzteile sind fein säuberlich in Sortierkästen untergebracht, an den Wänden sind Explosionszeichnungen und Ersatzteillisten angebracht. In jedem Winkel findet man witziges, aber sinnvolles Handwerkszeug, wie zB. die Kugelsortiermaschine, wo die Kügelchen für die Kugellager eine schiefe Ebene hinunterrollen, und jede Kugel in das passende Loch fällt.

Überhaupt beeindruckt die Liebe zum Detail. Sogar die Lichtschalter sind keine modernen, sondern die alten aus Bakelit. Ganz fertig wird die Werkstatt nie, denn von jedem Floh- oder Teilemarkt bringt Neumayer wieder eine neues/altes Stück mit, und auch die Museums-Besucher haben schon so manches mitgebracht, was für den Eigengebrauch einfach zu antiquiert ist.